Wandheizungen

Behaglichkeit für Ihr Zuhause



Funktionsprinzip

Abb. 1:	Römische Hypokaustum-Heizung (Paturi F.: Die Chronik der Erde, Chronik-Verlag, Dortmund 1991)
Abb. 1: Römische Hypokaustum-Heizung
(Paturi F.: Die Chronik der Erde, Chronik-Verlag,
Dortmund 1991)

Wandheizungen sind eine aktuelle, aber nicht besonders neue Errungenschaft. Schon die "alten Römer" kannten vor 2000 Jahren dieses Prinzip um ihre Thermen zu beheizen. Die Hypokaustum-Heizung war eine der wichtigsten technischen Erfindungen antiker Baumeister. Bei dieser antiken Art der Wandheizung wurden Hohlräume in Wänden und Fußböden durch Rauchgase erwärmt, die in einer Kammer unterhalb des zu erwärmenden Zimmers (dem Hypokaustum) erzeugt wurden. Durch diese Hohlkammersteine breitete sich die Wärme gleichmäßig und großflächig aus, die Strahlungswärme wurde ähnlich dem Prinzip des Kachelofens oder Kamins zum komfortablen Beheizen der Räume genutzt. Die Nachteile des offenen Feuers wurden vermieden.

Moderne Heizungen, Prinzipien der Wärmeübertragung

Konvektion

Man unterscheidet in der Physik verschiedene Arten der Wärmeübertragung. Die gängigste Methode einen Raum zu beheizen basiert auf dem Prinzip der Konvektion, die meisten gebräuchlichen Heizkörper nutzen dieses Prinzip. Hierbei wird Luft als Medium für den Wärmetransport verwendet. Durch die Heizkörper, die eine weit höhere Temperatur als ihre Umgebung haben, wird eine Luftströmung erzeugt. Kalte Luft erwärmt sich an den Heizkörpern und steigt nach oben. Die aufgestiegene Luft kühlt wieder ab und fällt zu Boden. Durch die Konvektion wird also eine permanente Luftwalze erzeugt. Diese Strömung bringt einige Nachteile mit sich. Zum einen können Luftbewegungen ab ca. 0,3 m/ s von Menschen wahrgenommen und als negativ empfunden (Zugluft) werden. Zum anderen werden mit der Luft auch Partikel wie z.B. Hausstaub oder Milben transportiert. Außerdem trocknet die Luft aus, was wiederum als unangenehm empfunden werden kann.

Wärmestrahlung

Ein weiteres Prinzip, das bei der Beheizung von Gebäuden eine Rolle spielt, ist das Prinzip der Wärmestrahlung in Form der Strahlungsheizungen. Strahlungsheizungen gibt es als Kachelöfen, Wand-, Fußboden- oder Deckenheizungen.
Bei der Strahlungsheizung wird die Wärme direkt, also ohne das Trägermedium Luft abgestrahlt. Beim Auftreffen der Strahlung auf einen Körper wird diese in Abhängigkeit des Materials des Körpers zum Teil reflektiert und zum Teil absorbiert, d. h. in Wärme umgewandelt. Durch die Wärmestrahlung werden also die in einem Raum befindlichen Objekte (Menschen, Möbel, Wände, etc.) aufgeheizt, die Raumluft bleibt relativ kühl.

Vorteile von Wandheizungen

Auch im Vergleich mit anderen Flächen- und Strahlungsheizungen, vor allem der Fußbodenheizung hat sich die Wandheizung als physiologisch sehr günstige Heizung herauskristallisiert.
Bei der Wandheizung findet die Wärmeabgabe in die Räume bei relativ niedrigen Temperaturen über sehr große Flächen statt. Durch die geringen Temperaturunterschiede zwischen Oberflächentemperatur und Raumlufttemperatur ist die Wärmeabgabe auf dem Weg der Konvektion und das Temperaturgefälle in derart beheizten Räumen entsprechend gering.
Es ist zwar selbstverständlich von persönlichen Vorlieben abhängig, doch fühlen sich viele Menschen bei einer Wandoberflächentemperatur von z.B. 21 °C in Wohnräumen schon bei 18 °C Raumtemperatur wohl.
Logischerweise führt eine Senkung der Raumtemperatur zu einer Reduzierung des Heizenergiebedarfs und somit zu einer Schonung der Ressourcen und des Geldbeutels und nicht zuletzt zu einer Verminderung des CO2-Ausstosses. Senkt man die Raumtemperatur lediglich um 1 °C ab, reduziert sich der Heizenergiebedarf um ca. 5 %. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass der Einbau von Wandflächenheizungen nur in gut gedämmten Gebäuden erfolgen sollte, um den Wärmeverlust nach außen zu begrenzen. In schlechter gedämmten Gebäuden sollte die Wandheizung mit einer Innendämmung kombiniert werden, um den Wärmeverlust zu begrenzen.
Die Behaglichkeit der Wandheizung wird durch den entsprechend hohen Anteil an langwelliger Wärmestrahlung (Prinzip "Sonne") und ihrer physiologischen Wirkung weiter verstärkt. Ein von allen Seiten gleichmäßig erwärmter Raum hat zudem keine kalten Ecken, damit (fast) keine Luftzirkulationen und somit auch keine Staubaufwirbelungen.
Bei der Wandheizung entfallen sichtbare Heizkörper im Raum, Fenster können bis zum Boden reichen.

Um die Wirksamkeit nicht zu beeinträchtigen, dürfen Wandheizflächen nicht mit Möbeln verstellt werden. Vorsicht ist auch beim Aufhängen von Bildern und Regalen geboten, beim unvorsichtigen Einschlagen von Nägeln oder dem Bohren von Löchern besteht die Gefahr eine wasserführende Leitung zu treffen und zu beschädigen. Abhilfe schaffen hier neben einer sorgfältigen Planung und Dokumentation temperaturempfindliche Folien und Wandscanner. Mit den Folien lassen sich die wasserführenden Rohre in einer temperierten Wand gut orten.

Baustoffauswahl Putz

Prinzipiell können Wandflächenheizungen mit allen gebräuchlichen Putzsystemen verputzt werden, jedoch sind nicht alle Putze gleich gut geeignet. Die Anforderungen an einen für eine Wandflächenheizung geeigneten Putz erfüllen z.B. optimierte Fertiglehmputze als Werktrockenmörtel sehr gut. Sie sind zudem auch die ökologischste Produktvariante, denn Lehm muss nach dem Abbau lediglich getrocknet und gemahlen werden, d.h. ökologische Leitparameter wie z.B. Primärenergieverbrauch, Schadstoffemissionen usw. sind bei Lehmprodukten am niedrigsten!
Alternativ dazu, bieten sich Kalkputze an, die ähnlich positive Eigenschaften aufweisen, aber strapazierfähiger, d.h. unempfindlicher gegen mechanische Einwirkungen wie Schlag- und Stoßbelastungen sind, außerdem ist die mögliche Auswahl an Oberputzen größer. Unter Fliesenbelägen sollten Kalk-zementputze verwendet werden.

Abb. 4 +5:
Ausführungsbeispiel Wandheizsystem - hier Register aus Kunststoff-Aluminium
Verbundrohren- an einer Innenwand in einem Altbau (vorher/nachher) mit einem Kalkputzsystem verputzt

Alternative Trockenbau am Beispiel eines Lehm-Klimaelements

Abb. 6: Fertig montierte und an den Heizkreislauf angeschlossene Klimaelemente
Abb. 6: Fertig montierte und an den Heizkreislauf angeschlossene Klimaelemente

Eine Alternative zum Verputzen der Wandflächenheizung ist die Erstellung im Trockenbau. Hier werden fertige Lehmplatten verwendet, in denen die wasserführenden Heizleitungen bereits eingelassen sind. Bewährt haben sich solche Trockenbau-Platten vor allem bei der Renovierung, in Holzhäusern oder in Dachschrägen - also überall dort, wo das Einbringen von Putzen und der damit verbundenen Feuchtigkeitseintrag nicht gewünscht ist oder der Bauablauf beschleunigt werden soll. Die Platten werden entweder direkt auf einen ebenen, tragfähigen Untergrund geschraubt oder -weitaus häufiger- als Vorsatzschale (Vorwand) eingesetzt.
Die Vorsatzschalenvariante bietet unter anderem den Vorteil, dass der Hohlraum für eine Innendämmung genutzt werden kann, um die Wärmeverluste in schlecht gedämmten Altbauten zu reduzieren. Die Klimaelemente können mit Lehm- oder Kalkputzsystemen verputzt werden.

Fazit

Abb. 7  Fertige Wandheizung aus Klimaelementen mit farbigem Lehmfeinputz
Abb. 7 Fertige Wandheizung aus Klimaelementen
mit farbigem Lehmfeinputz

Wandheizungen besitzen längst keinen Exotenstatus mehr. Sie tragen zu einem angenehmen und gesunden Wohnklima bei, mit den geeigneten Putzbeschichtungen lässt sich diese Wirkung noch steigern.

In einer gut gedämmten Gebäudehülle können sie dafür sorgen, Heizenergie einzusparen, häusliche CO2-Emissionen zu reduzieren und zu einer Ressourcenschonung beizutragen. Die Herstellung einer auf Dauer rissfreien Putzbeschichtung auf einer Wandheizung stellt für geschultes Fachpersonal unter Beachtung einiger spezifischer Putzregeln kein Problem dar.

Die Möglichkeit einer Trockenbauvariante steigert die Zahl der Einsatzmöglichkeiten und somit die Attraktivität dieses Heizsystems.

Zusätzliche Attraktivität birgt die Tatsache, dass speziell dafür ausgelegte Elemente -die entsprechende Anlagentechnik vorausgesetzt- auch als Kühlelemente genutzt werden können. So sorgen Wandheizelemente, die in erster Linie zur Steigerung der Behaglichkeit im Winter entwickelt wurden, auch an heißen Sommertagen für ein angenehmes Raumklima.

Quellen

Bauer A., Gänßmantel J., Innendämmungen und Wandflächenheizsysteme, in: WTA-Journal 1/2006, WTA-Publications München 2006, s. 129-148

Autor

Dipl.-Ing. (FH) Achim Bauer Dipl.-Ing. (FH) Achim Bauer
Jahrgang 1971. Dipl. Ing. (FH) Bauingenieurwesen. ö.b.v. Sachverständiger für das Stuckateurhandwerk (HWK Mannheim Rhein-Neckar Odenwald) Seit 1998 Betriebsleiter im familieneigenen Stuckateurbetrieb. Inhaber eines Ingenieurbüros für Ausbau und Fassade seit 01.03.2006. Energieberater, Mitglied im Sachverständigenarbeitskreis, der Fachgruppe Wärmeschutz und im Bildungsausschuss des Fachverbandes der Stuckateure für Ausbau und Fassade Baden-Württemberg.
Obermeister der Stuckateurinnung Mannheim.
Mitglied des Expertenkreises Rhein-Neckar (EKR)